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„Liebe gewinnt.“ – Narada im Devi Talk

Narada Devi-Talk

Wir sind der Meinung, dass unser yang-lastiger Alltag eine Portion Yin vertragen kann. Deswegen haben wir den Devi-Talk gestartet. Immer wieder Freitags berichten inspirierende Menschen über ihren Bezug zur femininen Energie und geben Tipps, wie wir unseren Alltag mit mehr Sanftheit und Hingabe begegnen können.

Als ich letztes Jahr mein Ebook schrieb und mich intensiv mit dem weiblichen Aspekt der Schöpfung auseinandersetzte, wurde mir bewusst, wie intensiv sich viele von uns (inklusive mir) in der männlichen, aktivierenden Energie bewegen. Für ein gesundes, harmonisches Leben ist es wichtig, dass wir uns Ruhepausen gönnen, gütig mit uns selbst sind und uns bedingungslos annehmen können. Um diese Eigenschaften in unserem Leben zu stärken, werden wir ihnen hier auf dem Blog mehr Raum und Wertschätzung geben.

Heute im Devi-Talk: Narada Marcel Turnau, den ich vor einem halben Jahr schon mal über seine Zeit im Yoga Vidya Ashram interviewt habe. Narada hat einen überaus empfehlenswerten Blog, auf dem er mit viel Humor seine sehr tief gehenden Yoga-Kenntnisse weiter gibt. Ganz besonders auf seiner Seite sind die gehaltvollen Podcasts und Meditationsanleitungen, die es dort kostenfrei zu hören und downloaden gibt.

Ganzherzig: Wer ist die Devi für dich?

Narada: Die Devi ist eine Form der göttlichen Kraft, die alles durchdringt und umfasst und mit der man sich verbinden kann. Es ist die Göttliche Mutter, die das Leben transformieren kann und uns Fülle und Glück schenkt. Das Wort leitet sich von „Devata“ ab was „strahlend, leuchtend“ bedeutet. Man versteht unter „Devi“ eine Verkörperung des Prinzips der Göttlichen Mutter, wohingegen „Shakti“ die Kraft der Göttlichen Mutter ist. Ich betrachte Devi als eine Energieform, die ich durch Hingabe und Gegenwärtigkeit in mein Leben lassen kann, eine Kraft die alles nährt, ordnet und mir das Leben versüßt. Es gibt nur einen Gott, nur ein Göttliches Prinzip, dem man sich auf unterschiedliche Weise nähern kann, die Göttliche Mutter ist leicht zugänglich. Da wir alle über unsere eigene Mutter bereits das Prinzip der Mutterliebe kennengelernt haben. Die Göttliche Mutter schenkt jedem ihren Segen; der sich an sie wendet, so wie eine Mutter ihr Kind liebt, egal was es tut.

Wie verbindest du dich mit der weiblichen Energie, dem Yin-Prinzip? Hast du ein bestimmtes Ritual?

Ich hatte bei meinen Indienreisen einige Erlebnisse, die mich mit der Göttin versöhnt haben. Seitdem kann ich mich innerlich leicht auf diese Kraft einstimmen. Ich hatte z.B. ehrlich gesagt keine besonders hohe Meinung von dem angeblich heiligen Fluss Ganges, aber als ich am Ufer der Ganga saß und meditierte, offenbarte sich mir die immense Segenskraft der Devi. Seitdem ist Ganga Ma für mich kein gewöhnlicher Fluss mehr. Ich spüre in mir eine starke Energie; wenn ich mich innerlich mit der Ganga verbinde. Sie ist eine Manifestation der Göttlichen Mutter. Nach diesem Erlebnis mit Mutter Ganga hatte ich noch ein paar intensive Energieerfahrungen in Tempeln; die der Mutter geweiht sind. Ich fühlte mich sehr gesegnet, als ich im Ashram von Sri Anandamayi Ma saß. Sie gilt als Verkörperung der Devi. In meiner Zeit als Ashramleiter bei Yoga-Vidya habe ich im Rahmen der jährlichen Feiern für die Devi, dem 9-tägigen Navaratri Fest, Pujas für die verschiedenen Aspekte der Mutter gemacht. Es war sehr intensiv für mich zu erleben, wie verschieden die Kräfte von Lakshmi, Durga und Saraswati sind. So kann ich sehr empfehlen sich über ein solches Verehrungsritual mit der Devi in verschiedenen Formen zu verbinden.

>>> Hier lernst du, wie du dein eigenes Devi-Ritual bei dir zuhause feierst.

Wie schaffst du es Yin und Yang in deinem Leben in Einklang zu halten?

Ich bin ein großer Freund davon mich den unterschiedlichsten Erfahrungen auszusetzen. Ich glaube, dass es mir hilft in meiner Balance zu bleiben. So kann ich z.B. aus einem Meditationsretreat in ein Fußballstadion oder auf ein Punkkonzert gehen und beobachte dann in mir wie die Energien sich dynamisch verändern. Ich glaube entscheidend für einen dauerhaften Ausgleich von Yin und Yang, oder Chandra und Surya, wie wir im Yoga sagen, ist die Fähigkeit innere und äußere Vorgänge zu beobachten. Also um die Frage zu beantworten: durch Meditation.

Was bedeutet für dich Schönheit?

Ich glaube man kann in allem Schönheit finden, wenn man richtig hinschaut, nur sind wir leider meistens mit anderen Dingen beschäftig, wie z.B. mit unseren Träumereien. Meine Erfahrung ist, dass ich immer dann die Welt ganz anders wahrnehme, wenn ich wach und aufmerksam bin, alles wird intensiver und eben schöner. Schönheit ist also überall wenn man wach ist.

Bitte beende den Satz „Fülle ist…..“

eine der Eigenschaften unseres wahren Selbst. Wenn wir uns von der Unwissenheit lösen und entdecken wer wir wirklich sind, können wir erkennen, dass wir eins mit allem sind und erleben die totale Fülle. Puh, das war ein langer Satz!

Hast du 3 Tipps für unsere Leser, wie man dem Leben mit mehr Sanftheit begegnen kann?

Als ich 2011 in Rishikesh am Schrein von Swami Sivananda meditierte, habe ich ihn innerlich gefragt, welche spirituelle Praxis ich üben sollte und bekam die Antwort prompt: ich solle so oft wie möglich in den Bereich meines Herzens spüren. Als ich danach vor die Tür ging, begegnete mit noch Swami Vimalananda, der amtierende Präsident der „Divine Life Society“, vor dem ich mich verneigte. Er winkte mich etwas lapidar ab und sagte: „just follow your heart!“ So denke ich, dass die wichtigste Praxis tatsächlich das Spüren des Herzens ist, was dann natürlich auch zu immer mehr Sanftheit führt. Desweiteren glaube ich, dass wir die ganzen spirituellen Lehren reduzieren können auf wenige Begriffe: Achtsamkeit, Liebe, Stille, Einheit und Demut. All diese Punkte führen zu einer Sanftheit gegenüber der Schöpfung. Sanftheit ist ein schönes Wort, wir alle sollten uns täglich und immer wieder darin üben unseren Mitmenschen sanft zu begegnen. Liebe gewinnt.

Regelmäßige Tipps für ein Leben aus deiner Intuition heraus und zeitgemäße spirituelle Inspirationen gibt es HIER.

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