1 In Devi-Talk/ Interviews

„Schönheit ist, wenn du bist, was du bist. Ohne Scham & ohne Begrenzung.“ Claudia Taverna

Wir sind der Meinung, dass unser yang-lastiger Alltag eine Portion Yin vertragen kann. Deswegen haben wir den Devi-Talk gestartet. Immer wieder Freitags berichten inspirierende Menschen über ihren Bezug zur femininen Energie und geben Tipps, wie wir unseren Alltag mit mehr Sanftheit und Hingabe begegnen können.

Als ich letztes Jahr mein Ebook schrieb und mich intensiv mit dem weiblichen Aspekt der Schöpfung auseinandersetzte, wurde mir bewusst, wie intensiv sich viele von uns (inklusive mir) in der männlichen, aktivierenden Energie bewegen. Für ein gesundes, harmonisches Leben ist es wichtig, dass wir uns Ruhepausen gönnen, gütig mit uns selbst sind und uns bedingungslos annehmen können. Um diese Eigenschaften in unserem Leben zu stärken, werden wir ihnen hier auf dem Blog mehr Raum und Wertschätzung geben.

Heute im Devi-Talk: Claudia Taverna von Womanessence – einem einzigartig schönen Blog über weibliche Spiritualität. Claudia’s Blog habe ich vor ein paar Monaten über diesen wunderbaren Beitrag hier entdeckt und war direkt tief beeindruckt. Die Texte sind sehr gefühlvoll geschrieben und behandeln Themen, wie Liebe, Schwesterlichkeit, Vertrauen und Verletzlichkeit. Claudia leitet Frauentempelgruppen und ist außerdem Übersetzerin und Redakteurin beim Awakening Woman Institute. Als Expertin auf dem Gebiet der gelebten Weiblichkeit, freue ich mich ganz besonders sie für den Devi-Talk gewonnen zu haben.

Ganzherzig: Wer ist die Devi für dich?

Claudia: Die Devi ist für mich die Vielfalt der weiblichen Archetypen, die Göttin in all ihren Erscheinungsformen. Weibliche Urenergie, die durch unsere Körper strömt und die unterschiedlichsten Ausdrucksformen und Ausprägungen annimmt und die ebenso die Zyklen und Rhythmen der Natur bestimmt, sie ist der Urgrund der Schöpfung, das, aus dem alles geboren wird und in das alles wieder zurückfließt in einem unendlichen Pulsieren: Zusammenziehen und Ausdehnen. Der Herzschlag der Schöpfung. Die Devi ist Körper, Materie, Erde und Bewegung. Die Devi manifestiert sich für mich immer wieder ganz konkret im Frauentempel. Wenn wir im Namen einer bestimmten Göttin zusammenkommen, öffnet sich für uns ein besonderer Zugang zu den betreffenden Energien und Qualitäten dieser Göttin. Wir erfahren sie in uns selbst und sie erfährt sich durch uns. Wir holen sie sozusagen auf die Erde.

Wie verbindest du dich mit der weiblichen Energie, dem Yin-Prinzip?

So wie ich es einschätze, hab ich vermutlich einen Yin-Überschuss und lebe auch einen eher Yin-bestimmten Alltag. Ich kann über meine Zeit zum allergrößten Teil frei bestimmen, bin also folglich ständig im Fließen, mit nur minimalen, flexiblen Strukturen. Meine Tätigkeiten Schreiben, Übersetzen und Redigieren sind auch absolut Yin – noch dazu verbunden mit weiblichen Themen. Dann ist da noch die Tempel-und Seminarplanung für meine Frauengruppen, die natürlich auch vollkommen Yin- lastig ist. Mein Alltag beinhaltet viel Stille und ist ziemlich zurückgezogen. Meditation, Yoga und weibliche Verkörperungsübungen bei denen man mit Berührung, Atmen, Spüren und Fühlen praktiziert, sind feste Bestandteile davon. Manchmal tanze ich auch, aber das eher zusammen mit meinen Yoginis in der Frauentempelgruppe oder in den Seminaren. Dann aber richtig ausgiebig und wild! Und ich bin sehr gerne in der Natur.

Hast du ein bestimmtes Ritual?

Ich empfehle die Göttinnendusche, eine der Basisübungen der weiblichen Verkörperungspraxis, die ich beim Awakening Women Institute kennengelernt habe. Sie ist so richtig schön weiblich und sehr effektiv, um ganz schnell wieder in den Körper und ins Jetzt zu kommen. Dabei streicht man, vom Kopf beginnend, mit präsenten Händen den ganzen Körper hinab, lässt den Oberkörper ein paar Momente lang hängen und streicht dann wieder genüßlich den ganzen Körper hinauf. Das kann man so lange wiederholen, wie es einem gut tut. Danach kurz pausieren und nachspüren. Die genaue Beschreibung findet ihr bei www.awakeningwomen.de.

Wie schaffst du es Yin und Yang in deinem Leben in Einklang zu halten?

Ich habe mir den Druck eines perfekten Endergebnisses und den Erfolgszwang im herkömmlichen Sinne aus meinem Tun herausgenommen und lasse Projekte mittlerweile auf eine organische Weise entstehen. Außerdem hab ich auf meinem Weg irgendwann erkannt, dass es nicht um die einwandfreie Darstellung und Unfehlbarkeit meiner Person geht, sondern um die Lebendigkeit und Freude in einem kreativen Prozess. Selbstverständlich schließt das nicht aus, dass ich sorgfältig und gewissenhaft in meinem Tun bin. Im Gegenteil: Dadurch, dass ich mein Leben verlangsamt und von Überflüssigem entschlackt habe, kann ich mir mehr Achtsamkeit erlauben, Achtsamkeit beim Tun –und Achtsamkeit mit mir. Ich bemerke sofort, wenn etwas im Innen oder Außen nicht im Fluss ist und korrigiere dann einfach bewusst den Kurs. Es fällt mir zusehends leichter, mich in die Hingabe und ins Vertrauen fallen zu lassen und ich gehe allgemein immer seltener in den Widerstand.
Ich habe den hohen Wert des Fragens und Zuhörens erkannt: Und anstatt von mir zu verlangen, immer die richtigen Antworten zu haben, übe ich, Nichtwissen, Irritationen und Unbehagen auszuhalten, nachzuspüren und darin zu verweilen, ohne ganz schnell eine Lösung für mich oder andere parat haben zu müssen. Ja, Aushalten, Dableiben und Zuhören sind sehr schöne, heilende weibliche Qualitäten.

Was bedeutet für dich Schönheit?

Schönheit drückt sich durch ein inneres Leuchten aus -und manchmal auch in Schmerz, Trauer und Tränen. Schönheit finde ich in einer ganz besonderen Art, zu sein. Schönheit ist in der Aufrichtigkeit und Echtheit. Schönheit ist in der Wärme eines offenen Herzens genauso präsent wie in der Weichheit eines Körpers oder im lebendigen Aufblitzen eines Augenpaars. Schönheit sehe ich ganz besonders im “nicht Geschönten”. Schönheit sehe ich im Ursprünglichen und Natürlichen. Schönheit ist, wenn du bist, was du bist. Ohne Scham, ohne Begrenzung und ohne schlechtes Gewissen. Schönheit ist überall, wo Liebe ist.

Bitte beende den Satz „Fülle ist…..“

Fülle ist ein organischer Prozess.
Boden bereiten…säen…gießen…pflegen…lieben…schützen…nähren…ernten…freuen…feiern…
teilen…ruhen…und wieder von vorn.

Hast du 3 Tipps für unsere Leser, wie man dem Leben mit mehr Sanftheit begegnen kann?

Langsamer werden.
Zuhören.
Berühren.

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